Fünf gute Gründe, wieso Reizdarmsyndrom keine rein psychosomatische Erkrankung ist!

Lassen Sie sich nicht abspeisen! Fünf gute Gründe, wieso Reizdarmsyndrom keine rein psychosomatische Erkrankung ist!

Wenn Sie an unangenehmen Darmsymptomen wie Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen leiden sollten, die länger als eine Woche anhalten, führt kein Weg an einer ärztlichen Diagnostik vorbei. Vor allen Dingen dann nicht, wenn diese Beschwerden in Ihrem Leben noch nie vorher eine Rolle gespielt haben.

Ergo lassen Sie sich einen Termin geben und harren der Dinge, die da kommen werden. Und natürlich haben Sie Angst!

Was habe ich mir da bloß eingefangen?
Ist es nur ein Magen-Darm-Virus? Nein, dafür dauert es schon zu lange!
Habe ich etwa Darmkrebs?
Habe ich eine chronische Entzündung?
Ist es eine Allergie? Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

All diese möglichen Perspektiven können einem wirklich den Lebensmut rauben! Aber dann, nach genauer Laboruntersuchung und eventuell sogar einer Darmspiegelung gibt es Entwarnung: „da ist nichts!“ Und wenn da „nichts ist“ führt dies fast zwangsläufig zur Diagnose „Reizdarmsyndrom“.

Sie sind (zunächst einmal) erleichtert. „Reizdarmsyndrom, das kann ja nichts schlimmes sein!“ Denken Sie. Zumal ihr wohlmeinender Arzt zu berichten weiß: „das ist alles psychosomatisch!“

Zunächst geben Sie sich mit dieser Erklärung zufrieden und versuchen, in Ihrem Leben einiges neu zu ordnen: Sie gönnen sich mehr Ruhepausen, Sie treten kürzer, Sie machen einen Entspannungskurs oder gehen zum Yoga. Um nach einer ganzen Weile frustriert festzustellen, dass all diese Maßnahmen Ihnen ein bisschen helfen - aber eben wirklich nur ein bisschen!

Obwohl die Forschung der letzten 5-10 Jahre diesbezüglich etwas anderes offenbart, sind funktionelle Störungen wie das Reizdarmsyndrom selbst bei den meisten Ärzten immer noch ein „psychosomatisches Problem“. Auf gut Deutsch übersetzt: Ärger und Stress bauen eine Standleitung zu Ihrem Darm auf, der daraufhin empfindlich - um nicht zu sagen beleidigt - reagiert.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Obwohl bei Reizdarmsyndrom mit der Labormedizin und der Spiegelung keine konkreten, organischen Krankheitszeichen erhoben werden können, ist das Reizdarmsyndrom keine rein psychosomatische Erkrankung. Zwar können Stress, Hektik und Ärger die Reizdarmbeschwerden verstärken, sie sind jedoch nur selten die alleinige Ursache für die Symptome. Hier fünf gute Gründe, warum das Reizdarmsyndrom keine rein psychosomatische Erkrankung ist:

1.    Die Beschwerden haben einen definitiven Anfangspunkt

Wenn Stress, Hektik, Ärger und Probleme Sie belasten, kann dies sehr allmählich über einen langen Zeitraum zu verschiedenen Beschwerden führen. Eine psychosomatische Erkrankung wird niemals von heute auf morgen entstehen. Jedoch können sie Reizdarm-Patienten ihre Beschwerden auf einen definitiven Anfangspunkt zurückführen, beispielsweise auf eine Lebensmittelvergiftung.

2.    Sie vertragen bestimmte Nahrungsmittel nicht

Mal ehrlich: wie viele Reizdarm-Patienten können ohne Reue, sprich ohne Verschlimmerung ihrer Symptome beim Mexikaner essen gehen? Salsa, Guacamole und scharfe Gewürze machen sich häufig unmittelbar am nächsten Tag durch sehr unangenehme Erscheinungen am Darm bemerkbar. Die bereits bestehenden Beschwerden werden noch einmal deutlich verstärkt. Genauso geht es vielen Reizdarm-Patienten mit Zucker, Fructose, Vollkornprodukten und Früchten.

3.    Die Reizdarmbeschwerden sind unabhängig von akutem Stress

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Wenn Sie bereits an einem Reizdarmsyndrom leiden, wird ein Tag mit Ärger und Missgeschick in die Beschwerden natürlich deutlich verstärken? Nein, nicht immer! Nicht alle, aber noch etliche Reizdarm-Patienten berichten, dass die Beschwerden „irgendwie immer da sind, unabhängig von äußeren Belastungen!“

4.    Das Reizdarmsyndrom wird im Urlaub nicht besser

„Ah, endlich eine Auszeit“ denken Sie, und freuen sich, dass auch Ihr gestresster Darm von Ruhe und Sonne profitiert. Auch hier gilt: bei einigen Reizdarm-Patienten ist dies durchaus der Fall, aber bei weitem nicht bei allen. Im Gegenteil: eventuell schlägt sogar die Kost-und Klimaumstellung besonders hart ins Kontor und verstärkt die Beschwerden noch.

5.    Das Reizdarmsyndrom scheint mit anderen, organischen Problemen zu korrespondieren – oder mit Medikamenteneinnahme

Sie leiden an einer Allergie, an Migräne oder an funktionellen Herzbeschwerden? Sie haben womöglich eine Schilddrüsenerkrankung, die gerade noch so im subklinischen Bereich liegt? Sie nehmen bereits Medikamente gegen eine vorhandene organische Erkrankung? Nun, vielleicht haben Sie ja bereits festgestellt, dass die Reizdarmbeschwerden entweder mit irgendwelchen anderen Erkrankungen zu korrespondieren scheinen oder aber, dass sich die Beschwerden überhaupt erst seit der Einnahme bestimmter Medikamente eingestellt haben. Dies erlebe ich in der Praxis sehr oft. Ich habe dabei schon die merkwürdigsten Zusammenhänge beobachtet: auch wenn Magen-Darm-Beschwerden nicht als Nebenwirkung eines bestimmten Arzneimittels gelistet sind, können bereits Darmbeschwerden als Folge einer Medikamenteneinnahme immer vorkommen.

iStock-510156793Viele funktionelle Erkrankungen, darunter Reizdarm, gelten in der Medizin immer noch als rätselhaft. Gott sei Dank lösen sich in letzter Zeit immer mehr dieser Rätsel. Es scheint darauf hinaus zu laufen, dass das Reizdarmsyndrom nur zu einem gewissen Teil - wenn überhaupt - psychosomatische Hintergründe hat. Gerade im Kontext unserer modernen Lebensweise, der Ernährung, dem unnatürlichen Bewegungsmangel und vieler umweltmedizinischer Faktoren sowie der Einnahme von Medikamenten lässt sich herleiten, dass Reizdarmbeschwerden sogar zu einem großen Teil eine umweltmedizinische Erkrankung darstellen, die sich durch unseren modernen Lebensstil erklären lässt.

In diesem Sinne: lassen Sie sich von Ihrem Arzt nicht durch die Floskel „das ist alles psychosomatisch!“ abspeisen!

Ihr Darmversteher Andreas Ulmicher

 

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